Der alte Mann
Es ist früh am Morgen. Sie ist wie immer auf dem Weg zur Arbeit, und natürlich auch wieder spät dran. Und wie jeden Morgen sieht sie diesen alten Mann, an dem sie meist achtlos vorübergeht.
Diesmal bückt er sich und scheint etwas zu suchen. Sie ist schon ein paar Meter weg, aber dann dreht sie sich um, geht zurück und fragt ihn, ob er etwas verloren habe.
Da meinte er ja, aus seiner Jackentasche sei ein alte Münze herausgefallen, ein Erinnerungsstück, das er nun suche. Sie wollte dem Mann gerne helfen, und fing nun auch mit an, am Boden zu suchen. Das Gras war auch lange nicht mehr gemäht worden und man musste schon schauen. Die Zeit verging, nichts war zu sehen. Doch auf einmal sah sie es am Boden glitzern, und siehe da, eine Silbermünze lag dort, klein und unscheinbar
.
Der alte Mann war glücklich, er hatte Tränen in den Augen, als er sie wieder in seinen Händen halten konnte. Er bedankte sich und sagte zum Abschied, dass er ihr auch gerne einmal helfen würde, wenn sie mal seine Hilfe bräuchte.
Sie sagte nur, dass es schon gut sei, das sie doch gerne geholfen hätte , obwohl sie ja nun merkte, heute würde sie zu spät zur Arbeit kommen.
Nun erzählte Ihr der alte Mann, das dies eine Erinnerung sei, an seinen Grossvater, der ihm diese an seinem Sterbebett gegeben hätte . Eine Erinnerung an glückliche Tage der Kindheit, an eine Zeit, wo die Menschen nicht nur an sich dachten und einer für den andern da war. Das Leben hatte seine Spuren bei ihm hinterlassen und man sah, dass er schon bessere Zeiten gesehen hatten. Sie hatte Mitleid mit dem alten Mann und dachte dabei unwillkürlich an ihren eigenen Gossvater. Deshalb sagte zu ihm, dass sie ihn gerne mal zu einem Kaffe und Stück Kuchen einladen würde.
In seinen Augen sah sie die Freude und dachte daran, dass es eh schon spät sei, was machte es aus. Sie rief auf Arbeit an und nahm sich einen halben Tag frei.
Dann ging sie mit dem alten Mann in ein Bistro und dort bestellte sie Kaffee und Kuchen . Und als sie sah, wie sie diesen Menschen glücklich machte, wurde es ihr warm im Herzen.
Sie dachte daran, wie wenig es bedurfte, einem Menschen eine kleine Freude zu machen.
Sie bereute es nicht, dass sie dafür ihre Zeit geopfert hatte, nein sie war glücklich und sah auf einmal , dass man auch mit einer kleinen Geste grosse Wunder vollbringen kann.
© angie1701

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